Diese Zeilen sind auch als Artikel in der Fachzeitschrift “Der Meerwasser Aquarianer” erschienen - Heft 3/2002+ 1/2003

Schwefel- Nitrat- Reaktor 

Antwort auf Fragen und Erfahrungen im praktischen Betrieb

Mit diesen Zeilen möchten wir versuchen, unsere Erfahrungen und die Rückmeldungen unserer Kunden darzustellen, und die Möglichkeit aufzeigen, wie problemlos und ohne Schwierigkeiten der Nitratwert in Riffbecken dauerhaft auf einem niedrigen Niveau gehalten werden kann.

Er soll auch eine Antwort sein auf die ständigen Leserbriefe, und helfen Fehler zu vermeiden und Verluste an Tieren auszuschließen.

Bereits beim Auftauchen des ersten Artikels über den Schwefel- Nitrat- Reaktor in der Fachpresse haben wir diesen sehr aufmerksam gelesen, denn wer ein Riffbecken mit üppigem Fischbesatz betreibt, weiß auch was Nitrat ist.

Die Methode mit dem ständigen Frischwasserwechsel ist sicherlich sinnvoll, bei uns auch relativ einfach durchzuführen, aber dennoch lästig.

Kunden haben immer wieder berichtet, wie unzuverlässig doch die verschiedenen Systeme zur Nitratreduzierung sind. Ständig muss irgendwo gefüttert, genau dosiert oder nachgeregelt werden.

Aufmerksam wurden alle Berichte über Schwefelfilter, Wodkafilter .... in den Fachzeitschriften gelesen, Erfahrungsberichte aus dem Internet ausgewertet und dann der Entschluss gefasst, dass nur der Schwefel- Nitrat- Reaktor von seinem Aufbau und seiner Funktion für uns in Frage kommt.

Es wurde Schwefelgranulat, Schwefelkugeln und Schwefelplättchen von verschiedenen Herstellern in verschiedener Körnung und unterschiedlicher Reinheit eingekauft und in identische Säulen gefüllt.

Funktionsbeschreibung unserer Schwefel- Nitrat- Reaktoren:

Die Säulen wurden von Anfang an so gebaut, dass sie bequem im Unterschrank des Aquariums Platz finden. Die Bauhöhe beträgt etwa 57cm bei einem Rohrdurchmesser von 110mm. Der Wasserzulauf erfolgt über einen druckfesten Schlauch 4/6mm. Im Zulauf befindet sich ein Regulierhahn, mit dem die Durchflussmenge eingestellt wird. Das Wasser gelangt über ein Rohr in der Säule nach unten, über eine Siebplatte steigt es nach oben, in die erste Kammer. In dieser befindet sich das Schwefelgranulat. Danach kommt wieder eine Siebplatte, sie stellt die zweite Kammer dar. Diese ist mit Korallensand befüllt, der das wichtige Neutralisationsmedium darstellt.

Der Auslass ist wieder ein druckfester Schlauch von 4/6mm.

Bei Bedarf können durch die kompakte Bauweise und einfache Anschlusstechnik, problemlos mehrere Säulen im Unterschrank parallel betrieben werden.

Der Langzeitversuch wurde bei einem befreundeten Aquarianer durchgeführt.

Seine Becken sind in etwa alle gleich groß, somit erhält man auch aussagekräftige Ergebnisse.

Die identischen Säulen wurden mit den verschiedenen Medien befüllt und in Betrieb genommen. Während der Einlaufphase wurde wie nicht anders zu erwarten, Nitrit und Nitrat produziert. In dieser Zeit empfehlen wir einen Wasserdurchfluss von  5- 15 Tropfen pro Minute, am Reaktorausgang gemessen !!! Danach konnten wir bei allen Säulen weder Nitrit noch Nitrat messen.

Vorsichtig konnte der Durchlauf Schritt für Schritt weiter aufgedreht und so eingeregelt werden, dass bei größtmöglicher Durchflussrate kein Nitrat zu messen ist.

Schon bald stellte sich heraus, dass ein Reaktor hinsichtlich Durchflussrate und Wasserqualität am Ausgang besser war als die anderen.

Es musste kaum am Regulierhahn gedreht werden, der Durchfluss war immer gleichmäßig und nitratfrei.

Eine Säule stellte bald ihren Dienst ein, weil einfach kein Aquarienwasser mehr durchsickerte. Die Beschaffenheit des Schwefels führte zu einer sogenannten „Verschlammung“ des Reaktors.

Es hat sich schnell gezeigt, dass ein Schwefelgranulat durch seine Form und Beschaffenheit besonders für unsere Zwecke geeignet ist.

Nach dieser ersten Erprobung bauten wir mehrere Reaktorsäulen, die zu Vorzugspreisen an Aquarianer abgegeben wurden. Diese informierten uns als Gegenleistung, ständig über deren Funktionssicherheit und Abbauleistung.

Die Ergebnisse sind nun ausgewertet. Wir bauen inzwischen Reaktoren für jede Aquariengröße und für jede Besatzdichte. Geringfügige Änderungen am Aufbau brachten uns mehr nutzbares Volumen bei gleicher Baugröße, da sich als Kundenwunsch eindeutig ein kompakter Reaktor mit  möglichst großem Volumen, jedoch für die Unterbringung im Unterschrank, herauskristallisierte. Kaum eine Ehefrau duldet eine Säule als Fremdkörper im Wohnzimmer. Wir finden das muss auch nicht sein.

Zur Diskussion möchten wir auch noch die bisher gemachten Angaben über das benötigte Volumen an Schwefelgranulat für eine sichere Abbauleistung stellen.

Bei den meisten Berichten wurde ein Liter Schwefelgranulat (ca. 1,3 kg) pro hundert Liter Aquarienvolumen als ideal bezeichnet.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass oft wesentlich weniger Schwefelgranulat ausreicht, um einen niedrigen Nitratwert zu halten. Wir meinen zu halten, nicht zu senken!

Die Senkung des Nitratwertes kann durch Wasserwechsel geschehen.

Entscheidend ist die Belastung des Aquarienwassers durch Fischbesatz, die jeweiligen Fütterungsgewohnheiten eines jeden Aquarianers, und das Abbauvolumen durch Bakterien im Riffgestein und Filter.

Durch unsere Modulbauweise für den Unterschrank ist es bequem möglich, zunächst nur einen Reaktor einzusetzen, und wenn die Abbauleistung nicht ausreicht, kann ein zweiter Reaktor dazugeschaltet werden.

Wir versuchen alle Projekte die wir angehen sehr kritisch von allen Seiten zu beleuchten. Durch Rückmeldungen unserer Kunden und Auswertung der Daten aus dem Internet haben wir einen Reaktor entwickelt, der einfach in der Wartung ist, nach der Einlaufphase keinerlei Pflege braucht, zuverlässig funktioniert und durch seine Modulbauweise universell einsetzbar ist.

Unser Schaubecken mit 1300 Liter Inhalt wird mit einem Reaktor mit 10 Liter Schwefelgranulat betrieben.

Die Einlaufphase war nach 10 Tagen abgeschlossen, der Ausgang war nitrit- und nitratfrei.

Nach weiteren 5 Wochen war auch im Becken mit einem herkömmlichen Nitrattest (Teststreifen von Merck) kein Nitrat mehr zu messen.

Dieser Wert nahe Null wird bis heute gehalten, der Fischbesatz wurde nochmals erhöht.

Die Fische sind dick und rund, denn man braucht keine schlechtes Gewissen mehr haben, wenn man großzügig Futter ins Becken gibt.

Wir haben noch nie etwas davon gehalten, die Fische hungern zu lassen, nur um keine Wasserbelastung zu bekommen.

Der Steinkorallenbesatz veränderte sich zunehmend in seinem Aussehen. Wachstumsspitzen waren vermehrt zu beobachten. Steinkorallen die wir nur in der Farbe „braun“ kennen, sind inzwischen vollkommen grün oder violett. Ein  hellbrauner Stock hat fluorendzierend gelbe Spitzen bekommen.

Die Farben und das Wachstum sind deutlich besser, als ohne Reaktor.

Noch eine Beobachtung möchten wir zur Diskussion stellen.

Nachdem der Reaktor nun den Nitratwert auf ein für uns nicht mehr messbares Niveau reduziert hat, kann auch ein Rückgang des Phosphatwertes beobachtet werden.

Zunächst dachten wir an einen Zufall.

Nachdem uns aber auch mehrere Kunden auf diesen positiven Effekt hingewiesen haben, muss tatsächlich eine Phosphatreduzierung stattfinden.

Entgültige und gesicherte Ergebnisse können aber erst nach längerem Betrieb protokolliert werden.

Zusammenfassend möchten wir sagen, dass der Schwefel- Nitrat- Reaktor für das kleine, mittlere und auch große Aquarium die einfachste und sicherste Methode zur Nitratentfernung ist. Nur bei sehr großen Anlagen, würden wir eine Methode mit Alkoholfütterung der Bakterien vorziehen. Dies kann aber nur zuverlässig funktionieren, wenn die Dosierung und Überwachung elektronisch geregelt wird. Der Kostenfaktor ist dabei nicht unerheblich.

Wenn man über Misserfolge mit Reaktoren liest, geht das immer zu Lasten der Tiere. Diese müssen verenden, nur weil ein Aufklärungsdefizit beim Aquarianer herrscht.

Wir hoffen ein wenig zur Aufklärung beigetragen zu haben, für weitere Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Wir stellen Schwefel- Nitrat- Reaktoren her, liefern hochreines Schwefelgranulat (Produktbeschreibung und DIN Sicherheitsdatenblatt liegt vor). 

Wer sich zutraut einen Reaktor selbst zu bauen, kann bei Interesse gegen Portoerstattung eine Skizze mit Bauanleitung bei uns anfordern.

 

Nachtrag zum Artikel über Schwefel- Nitrat- Reaktor , oder die häufigst gestellten Fragen:

Die größte Verunsicherung für die Leser entstand durch die Angabe der Schwefelmenge für das abgebildete Schaubecken. Im Artikel wird nicht deutlich genug darauf hingewiesen, dass dieser Reaktor das Versuchsmodell war. Wir haben uns damals an die Angaben und Erfahrungen aus Frankreich gehalten. Inzwischen ist uns klar, dass er viel zu groß dimensioniert ist. Die Durchflussmenge muss immer wieder erhöht werden, ansonsten "stinkt" dieser Reaktor. Bei Gelegenheit werden wir den Inhalt auf etwa 6- 7 kg Schwefelgranulat reduzieren.

Wir vertreten die Meinung, dass es sinnvoll ist den Reaktor nicht zu groß zu bauen, denn es reicht wenn ein niedriger Nitratwert gehalten werden kann, bzw. nur eine ganz langsame Senkung erfolgt.

Ist der Reaktor zu groß bemessen, dann tritt das oben erwähnte Problem auf.

Allerdings erfordert dies in der Einlaufphase auch bei vielen Aquarianern mehrere Wasserwechsel, um die zu hohen Nitratwerte auf ein normales Maß zu senken. Wir halten etwa 10- 20 mg Nitrat/L für einen guten Ausgangswert.

Über 50mg /L sind auf jeden Fall zu viel, und sollten durch Wasserwechsel gesenkt werden.

Wenn durch den SNR die Wasserwerte dann in Ordnung sind, dann können natürlich die Wasserwechselintervalle deutlich vergrößert werden.

Wem diese Wasserwechsel in der Einlaufphase zu aufwendig erscheinen, der muss einen größeren Reaktor wählen und nach 1- 2 Jahren einen Teil des Schwefelgranulates entfernen.

Die Einlaufphase bereitet vielen Aquarianern Probleme. Zunächst erfordert die Einstellung auf 5- 15 Tropfen pro Minute etwas Fingerspitzengefühl.

Dann kommt das Erfolgserlebnis, es wird durch Messung ermittelt, dass das Auslaufwasser Nitrit- und Nitratfrei ist.

Nun sollte die Erhöhung der Tropfenzahl nur sehr langsam, auf mehrere Wochen verteilt erfolgen. Einmal zu schnell zu groß aufgedreht, und das Spiel beginnt von vorne. In diesem Fall, ist Geduld oberstes Gebot.

Es taucht immer wieder die Frage auf, in wie weit werden Karbonate und Kalzium an das Aquarienwasser abgegeben, oder kann auf einen Kalkreaktor ganz verzichtet werden?

Am Anfang wenn die Einlaufphase abgeschlossen ist, ist „schlechtes“ Wasser vorhanden.

Die Bakterien im Reaktor bauen Nitrat ab, es entsteht viel freie Kohlensäure, die in der Neutralisationsstufe eine gewissen Abbau von Korallenbruch mit sich bringt, und der Wasserqualität zu gute kommt.

Mit jedem Tag, wird die Wasserqualität besser, es wird Nitrat abgebaut. Irgendwann ist der Punkt „nahe Null“ erreicht, es ist kaum noch Nitrat vorhanden, folglich wird kaum noch Korallensand abgetragen.

Jetzt hängt es alleine von der Anzahl der Beckenbewohner und den Fütterungsgewohnheiten ab, inwieweit wieder neuer „Schmutz“ nachgeliefert wird.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Integration in die vorhandene Anlage.

Wie wird der SNR richtig angeschlossen?

Vorweg, es wird keine extra Umwälzpumpe dafür benötigt. Die erforderliche Wassermenge ist sehr gering, es reicht also ein Bypass aus. Ideal ist eine vorhandene Druckpumpe, zum Beispiel die Förderpumpe vom Filterbecken zum Aquarium.

Die Druckleitung wird einfach durchtrennt, ein T- Stück eingesetzt, und an das freie Ende eine Verschraubung für den Druckschlauch mit dem Durchmesser 4/6 mm eingeklebt. Daran wird der Reaktor angeschlossen und mit dem im Schlauchsystem vorhandenen Regulierhahn die benötigte Durchflussmenge eingestellt. Das andere Ende mit dem „sauberen“ Wasser wird einfach ins Filterbecken eingetropft.

Ebenso gut eignet sich als vorhandene Pumpe, eine Strömungspumpe, die Pumpe vom Abschäumer oder Kalkreaktor ....

Wenn Sie nichts passendes finden, wir helfen gerne weiter.

Die unzähligen Gespräche, die wir auf Grund des Artikels führten, waren für uns auch sehr informativ und lehrreich:

  • Es gibt Jemand, der betreibt einen SNR schon über 4 Jahre erfolgreich, und kann gar nicht verstehen, dass die Verbreitung nicht größer ist.
  • Auch im Süßwasserbereich werden SNR eingesetzt, insbesondere bei der Diskuszucht
  • Einige Anrufer benutzen SNR im Gartenteich. Für Koi sind gute Wasserwerte besonders wichtig
  • Es herrscht auch eine große Verunsicherung, durch schlecht, oder nicht funktionierende Systeme auf dem Markt
  • Viele Stimmen sind begeistert von der positiven Veränderung bei der Ausfärbung Ihrer Korallen, und dem guten Wachstum, das durch gute Wasserwerte und wenig Nitrat hervorgerufen wird.

Wir hoffen dass diese Zeilen helfen, noch vorhandene Fragen zu klären und dazu dienen dass der SNR eine größere Verbreitung in unsern Aquarien findet.

 

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